DDR-Schießbefehl

13. August 2007

In der Außestelle Magdeburg der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurde der seit dem Wochenende vieldiskutierte Schießbefehl gefunden.

Mehrmals ist dort von “liquidieren” die Rede. Selbst auf Frauen und Kinder solle, wenn aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit notwendig, geschossen werden.

Lesen Sie das sieben Seiten umfassende Originaldokument, damit Sie auch mitreden können.

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DDR-Flucht: Ein Meter fehlte bis zur Freiheit

13. August 2007

Wolgang Masenthe hatte an alles gedacht. Alles war so gut vorbereitet. Über einen Kontaktmann war sogar die West-Berliner Polizei informiert, die am 12. Mai 1963 auf der Westseite der von dem DDR-Regime am 13. August 1961 errichteten Berliner Mauer sicherstellen sollte, dass keine unschuldigen Passanten bei ihrem spektakulären Fluchtversuch mit einem BVG-Reisebus verletzt würden.

Der damals 19-Jährige arbeitete in einem Busdepot der Berliner Verkehrsgesellschaft im damals zu Ost-Berlin gehörenden Stadtteil Treptow. Schon im April 1963 wollten Masenthe und sein Vorarbeiter Gerd K. die mörderische Grenze des SED-Regimes überwinden, indem sie sich aus der Betriebskantine des Busdepots abseilen und durch den Flutgraben schwimmen. Doch im letzten Moment verwarfen sie den Plan ihrer Flucht in die Freiheit.

Stattdessen organisieren sie einen Reisebus, von dem sie annehmen, er würde die Barrieren an der Mauer überwinden können. Am Vormittag des 12. Mai 1963, es war ein Sonntag, war es dann schließlich so weit. Mit einem BVG-Reisebus, den Masenthe und seine Freunde präpariert hatten, fuhren sie von der Scharnhorststraße auf den Grenzübergang Invalidenstraße zu.

Den DDR-Grenzern, die die Befehle des Unrechtsstaates ausführen, ist das Leben der acht Menschen, drei in der Fahrerkabine und fünf Menschen auf den Passagiersitzen, im Bus wohl egal. Mit 138 Schüssen nehmen die DDR-Grenzer an diesem Sonntag den Tod von acht Menschen billigend in Kauf. Nur durch Glück stirbt dort an diesem Tag niemand – bis auf die Hoffnung auf Freiheit.

Nur einen Meter vor West-Berliner Gebiet kommt der Bus zum stehen. Die schwer verletzten Menschen werden von DDR-Grenztruppen und Volkspolizei abgeführt. Wolgang Masenthe muss trotz seiner schweren Verletzungen mehrere hundert Meter zürücklaufen – seine Bewacher bedrohen ihn stets dabei mit ihren Kalaschnikovs.

Das SED-Regime in Ost-Berlin feiert zehn Monate später einen „Triumph der Unmenschlichkeit“, wie es die Berliner Morgenpost damals formulierte, indem es Wolfgang Masenthe zu 9 Jahren und seinen Freund Gerd K. zu zehn Jahren Gefängnis in einem Schauprozess aburteilt.

Wolgang Masenthe wurde nach zwei Jahren aus dem politischen Kerker von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Aber er blieb in der DDR bei seinen Eltern. Denn Masenthe wollte sie nicht in Stich lassen.

Berliner Zeitung: Ein Meter fehlte bis zur Freiheit

DDR-Grenzer sollten Frauen und Kinder töten

13. August 2007

Heute vor 46 Jahren wurde die Mauer durch die DDR-Führung errichtet und die Menschen im “Arbeiter- und Bauernstaat” waren durch das SED-Regime bis zum 9. November 1989 ihrer Freiheit beraubt.

Laut der Arbeitsgemeinschaft 13. August e.V. kamen allein an der Berliner Mauer rund 200 Menschen ums Leben. Insgesamt gab es infolge der deutschen Teilung mehr als 1.065 Todesopfer.

Dafür war auch ein siebenseitiger Schießbefehl aus dem Jahre 1973 verantwortlich, der nun an die Öffentlichkeit kam:

“Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zu nutze gemacht haben.”

Performance-Medienecho

14. August 2003

Bereits im Vorfeld haben etliche Medien darüber berichtet:

Die Welt: Performance erinnert an die Schicksale der Maueropfer

Mauerbau-Performance am 13. August 2003, Berlin-Potsdamer Platz (c)2003-2007 by Can Elbasii

Während der Veranstaltung waren zuweilen mehr Journalisten als Teilnehmer zugegen - was jedoch nicht gegen den Erfolg der Veranstaltung spricht. Denn was nutzen Kranzniederlegungen über die keiner berichtet?

Insgesamt waren rund 100 Reporter aus aller Welt vor Ort.

Tagesschau: Performance am Potsdamer Platz

Berliner Zeitung: “Die DDR darf nicht Kult werden”

Der Tagesspiegel: Liegen, wo die Mauer stand

DER SPIEGEL: 42 Jahre Mauerbau: Der antifaschistische Schutzwall - ein Weltkulturerbe?

Performance erfüllte ihren Zweck

13. August 2003

Mauerbau-Performance am 13. August 2003, Berlin-Potsdamer Platz (c) 2003-2007 by Can ElbasiMauerbau-Performance am 13. August 2003, Berlin-Potsdamer Platz (c) 2003-2007 by Can ElbasiMauerbau-Performance am 13. August 2003, Berlin-Potsdamer Platz (c) 2003-2007 by Can Elbasi

Knapp 100 Menschen nahmen an der Performance auf dem Potsdamer Platz in Berlin teil, mit der auf die getöteten Republikflüchtlinge an der deutsch-deutschen Grenze und der Berliner Mauer, die am 13. August 1961 errichtet wurde, aufmerksam gemacht werden sollte. “Ein voller Erfolg”, so Initiator Anatol Wiecki aus Berlin. Denn das sind immerhin rund 10% der Maueropfer. Schließlich war das Ziel der Aktion, der Welt die Grausamkeit des DDR-Regimes vor Augen zu halten, welches seineN BürgerInnen das Menschenrecht auf Reisefreiheit über Jahrzehnte verwehrte und die Menschen wie Unmündige quasi wie im “offenen Vollzug” behandelte.

Der Verkehr auf der Kreuzung Potsdamer Platz wurde freundlicherweise von der Berliner Polizei für die Performance für eine Viertelstunde völlig gesperrt, so dass auch die “nur” 100 Menschen, die auf der Kreuzung lagen, den Passanten und Journalisten aus der ganzen Welt einen eindrucksvollen Eindruck über das Ausmaß der Verbrechen des DDR-Grenzregimes vermitteln konnten.

Die Performance erfüllte damit ihren Zweck.

Berlin, 13. August 2003

Mauerbau-Performance am 13. August 2003, Berlin-Potsdamer Platz (c) 2003-2007 by Can Elbasi